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Festkonzert 40 Jahre AGACH - mit der Schwäbischen Chorakademie

Schwäbische Chorakademie begeistert bei Konzert im Kurhaus Meran

Wie kann bei geeigneten Jugendlichen Begeisterung für Singen in der Gemeinschaft geweckt werden und das mit nicht alltäglichen, anspruchsvollen Chorsätzen? Beim Chorverband Bayerisch-Schwaben läuft das sehr erfolgreich über die Jugendförderung „Schwäbische Chorakademie“ (SCA). Mitgliederschwund, Mangel an Nachwuchs? Für dieses jugendliche Auswahlensemble sind das Fremdworte.
Jüngster Beweis: Ein Auftritt im luxuriösen Saal des Kurhauses Meran. Mehr als 70 Sänger und damit mehr als in einem gängigen Reisebus Platz finden, hatten sich von der Musikakademie Marktoberdorf aus, der Heimat des SCA, auf den Weg nach Südtirol gemacht. Nach zwei intensiven Probentagen konnte ein wie stets hervorragend vorbereitetes Programm präsentiert werden. Im Kurhaus hieß es allerdings für die 15- bis 27jährigen und ihren charismatischen Leiter Stefan Wolitz zunächst Warten. Der Auftritt fand im Rahmen eines Festkonzerts mit mehreren Ensembles statt, die SCA war als Schlusspunkt vorgesehen. Grund für das Konzert war das 40jährige Bestehen der „AGACH“, der „Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Chorverbände“, zu der neben dem Bayerischen Sängerbund und dem Chorverband Bayerisch-Schwaben, eine ganze Reihe von Verbänden aus Liechtenstein, Italien, Österreich und der Schweiz gehören. Entsprechend konnte der Südtiroler Rudi Gamper musikalische Vertreter der verschiedenen Länder anmoderieren. Bläser der Bürgerkapelle Gries (Österreich) umrahmten zu Beginn des Abends das Grußwort des AGACH-Vorsitzenden Erich Deltedesco mit Musik aus Renaissance und Barock.

Es folgte ein echtes Schmankerl: Der „Coro della SAT“, in Deutschland eher bekannt als „Trientiner Bergsteigerchor“, präsentierte eine ganze Reihe an extra für das Ensemble gesetzten Volksliedern. Beeindruckend war die große Dynamik in der Präsentation. Der vor mehr als 90 Jahren von den Gebrüdern Pedrotti gegründete Chor wird auch heute noch von einem Pedrotti geleitet: Mauro war als solcher kaum zu erkennen, seitlich stehend und mitsingend, genügten winzige Handbewegungen, um die Sänger zum Forte zu tragen oder einen letzten Ton bis zur Unhörbarkeit verklingen zu lassen. Es war höchste Chorsingkultur, was der Südtiroler Chor bot.

Das folgende Südtiroler Vokalensemble präsentierte unter der Leitung von Michael Hillebrand vornehmlich religiöse Chorliteratur aus dem 20. Jahrhundert.

Die Schwäbische Chorakademie hatte für ihren Vortrag zwar ebenfalls Sätze aus dem 20. Jahrhundert einstudiert. Mit dabei war aber auch, quasi als Vergleich, Renaissancemusik. „If ye love me“ (Thomas Tallis) floss präzise geführt, in den Zuhörerraum. Das folgende „Cantate Domino“ des Polen Pawel Lukaszewski, „Veni Sancte Spiritus“ von Ko Matsushita (Japan) und auch „A Spotless Rose“ des Norwegers Ole Gjeilo waren ebenfalls der Mehrchörigkeit der Renaissance verpflichtet. Alle drei Komponisten sind Kinder des 20. Jahrhunderts. Die SCA mit ihren vielen jugendlichen Stimmen servierte diese geistlichen Lieder eindringlich, gleichmäßig, in Perfektion. Abschluss des Konzerts waren drei Shakespeare Songs, das heißt Vertonungen von Sonetten oder Texten aus dem großen Dramenschatz des englischen Schriftstellers der Renaissance. Zwei dieser Songs stammen aus der Feder von Matthew Harris (USA). Als besondere Überraschung durften die Zuhörer abschließendeinen Chorsatz hören, den Linus Mödl (Jahrgang 1994) geschaffen hat. Mödl ist ein echtes „Kind“ der SCA, er singt immer noch mit, studiert mittlerweile Musik. Selbstverständlich dirigierte er sein Stück selbst.

Die Schwäbische Chorakademie wurde 2010 gegründet. Von Beginn an leitet Stefan Wolitz das Auswahlensemble. Wolitz ist Schulmusiker am Musikgymnasium Marktoberdorf und Meisterklassenabsolvent „Chordirigieren“. Ziel der SCA ist die Förderung talentierter junger Sängerinnen und Sänger im Bereich Bayerisch-Schwaben. Es gibt drei Arbeitsphasen pro Jahr. Die Teilnehmer erlernen dabei nicht nur anspruchsvolle Chorliteratur, sondern werden von professionellen Stimmbildnern auch individuell gefördert. Ein oder zwei Mal pro Jahr lädt die SCA zu besonderen Konzerten an ausgewählten Orten ein. Beispiele sind neben Auftritten in Marktoberdorf (die meist als „Werkstattkonzerte“ bezeichnet werden), der Zedernsaal in Schloss Kirchheim oder die Klosterkirche Roggenburg. Die so geförderten Sängerinnen und Sänger sollen, das ist weiterführendes Ziel der SCA, das Erlernte später selbst weitergeben. Oder wie Stefan Wolitz während des Konzerts in Meran sagte, die im Auswahlensemble hoffentlich geweckte Freude am Singen in der Gemeinschaft weiter pflegen. (Romy Löbhard)

Alle Bilder: Ferry Steibel

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