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Kirchenkonzert der Schwäbischen Chorakademie im Roggenburger Sommer ein überwältigendes Erlebnis

Das Jugendensemble des Chorverbands Bayerisch-Schwaben und das Orchester „La Banda“ begeistern auf höchstem Niveau

Roggenburg Die Schwäbische Chorakademie (SCA), das überregionale Jugendensemble des Chorverbands Bayerisch-Schwaben, fördert seit 2010 mehr als 70 besonders talentierte und interessierte junge Chörsängerinnen und Sänger aus dem Regierungsbezirk Bayerisch-Schwaben. Seit Gründung der Akademie leitet Stefan Wolitz, unermüdlicher Schulmusiker und höchst qualifizierter Chorleiter, dieses Leuchtturm-Projekt des Chorverbands. Bei drei Arbeitsphasen jährlich lernen die jungen Sängerinnen und Sänger neue Chorliteratur kennen und werden von einem Team von Stimmbildnern individuell gefördert.

Für dieses Jahr hat sich die Schwäbische Chorakademie den barocken Komponisten Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) auserwählt, der in der Musikgeschichte als einer der bedeutendsten Musiker überhaupt gilt. Seine großen kirchenmusikalischen Werke der Londoner Zeit entstanden meist für die Chapel Royal für besondere, teils staatspolitische Anlässe, zum Cäcilientag oder zum „Festival Service oft he Sons of the Clergy“. Von den vier Coronation Anthems, komponiert zur Krönung von Georg II. und Königin Caroline 1727 in der Westminster Abbey, wird „Zadok the Priest“ seither bei jeder britischen Krönungszeremonie gespielt, zuletzt am 2. Juni 1953 anlässlich der Krönung von Elisabeth II., und ist mehr noch bekannt als Erkennungsmelodie der UEFA Champions League und auch sein Dettinger Te Deum lässt sich bis heute nicht aus dem Konzertrepertoire verdrängen.

So war in der Reihe „Roggenburger Sommer“ ein Kirchenkonzert der Schwäbischen Chorakademie in der wunderbaren Roggenburger Klosterkirche angesagt, der passendste und prachtvollste Rahmen für Händels glanzvolle Musik, dem großen Chor der Schwäbischen Chorakademie und dem Orchester „La Banda“, das, auf historischen Instrumenten musizierend, den Klang des Barocks in das Gotteshaus zauberte.

Als instrumentales Intro ließ „La Banda“ - unter dem Dirigat von Stefan Wolitz - Händels „Ode for St. Cecilia’s Day und das Concerto grosso, op. 3 Nr.5 in d-moll erklingen, mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel im Barock. Bei den Streichern waren die damals verwendeten Bögen, anders als heute, gestreckt bis konvex statt konkav geformt, was sich insgesamt auf die erforderliche Spielweise und somit auch auf den Klang auswirkt und auch das Vibrato ist bei dieser Art des Musizierens unüblich. So entstand ein zurückhaltender, feiner Klang der Streicher, der schön mit dem Spiel der Holzbläser auf historischen Oboen und einem Fagott kontrastierte, beide Gruppen gestützt vom Klang eines Portativs. Gut vorstellbar war nun, wie sich Musik zur Zeit Händels angehört haben muss, besonders dann, wenn man annimmt, dass Händels Musiker ebenfalls die Klasse der Musiker von La Banda hatten.

diesem stimmungsvollen Auftakt stellte sich nun, mit dem ersten Krönungs-Anthem „Zadok the priest“, auch die Schwäbische Chorakademie vor. Der Text dieser Hymne in D-Dur stammt aus dem 1. Buch der Könige (Kapitel 1, Verse 39-40) im Alten Testament und berichtet von der Salbung Salomos durch den Priester Zadok und den Propheten Nathan und vom Jubel des Volkes. Dieses Anthem ist für Chor und Orchester geschrieben und überrascht in der orchestralen Einleitung mit weichem, geschichtetem Streicherklang, dem ein plötzlich einfallendes, jubelndes Tutti des Chores im Forte folgt, festlich ergänzt durch drei strahlende Trompeten und Pauke. Der Mittelteil „Und alle Leute freuten sich“ ist tanzartig im Dreivierteltakt ausgeführt und der letzte Abschnitt mit dem Ruf „ God save The King“, wird sechsstimmig gesungen und akkordisch immer wieder mit „Amen“ durchsetzt. Das Werk endet mit einem langen Hallelujah.

Bei der Krönungszeremonie am 11. Oktober 1727, so wird berichtet, sang der Chor der Westminster Abbey dieses Anthem an der falschen Stelle im Gottesdienst. Der Chor hatte ein anderes Anthem vergessen und so endete diese erste Aufführung des „Zadok“ in völliger Konfusion. Nicht so bei der Schwäbischen Chorakademie. Stefan Wolitz hatte alles bestens im Griff, Chor und Orchester jubelten gleichsam und die Begeisterung der jungen Sängerinnen und Sänger übertrug sich auf die gespannt lauschenden Zuhörer.

Das Hauptwerk des Konzerts, das „Dettinger Te Deum“, schrieb Händel für einen Dankgottesdienst anlässlich des Sieges des österreichisch-englischen Heeres über die französischen Truppen in der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni 1743. Das schon im Juli/August vollendete Werk wurde im November dann in Anwesenheit des Königs im St. James Palace öffentlich geprobt; eine offizielle Siegesfeier, wie zunächst in der St. Paul’s Cathedral angedacht, gab es jedoch nicht. Der Text zum Te Deum, den Händel dem „Book of Common Prayer (1760): Te Deum – We praise thee, O God“ entnahm, gliedert sich wie ein Psalm in einzelne Verse, die Händel geschickt so zusammengefasst hat, dass neben festlich glanzvollen Chorsätzen auch Raum bleibt für Abschnitte mit ernsterem, ruhigerem Charakter. Schon das Vorspiel zum Eingangschor ist eines der glänzendsten Beispiele für die Führung von drei Trompeten in der Musik des Barock und der Chorsatz hat, wie fast im gesamten Werk, den Charakter von Akklamationen, sich häufig wiederholenden Rufen des Chores. Zwischen den kompakten Chorblöcken sorgen solistische Partien (Nr. 6/7) für tiefen Bass (Linus Mödl), höheren Bass (Daniel Müller) sowie ein Accompagnatorezitativ (Nr. 13 Tobias Haufler)für Abwechslung. Alle Solisten sind aus den Reihen des Chores und waren, wie der Chor selbst, hervorragend disponiert.

Es war großartig, miterleben zu können, zu welchen Leistungen unsere jungen Sängerinnen und Sänger fähig sind, mit wieviel Engagement, Einsatz, Ehrgeiz und Freude sie singen. Solch große Werke erfordern immenses Können und Ausdauer. Lange Melismen, kompakte Chorsätze, Stimmumfang bis in die Grenzlagen, ausgefeilte Atemtechnik, Gesang im Forte und Pianissimo, feinste Intonation wird von ihnen verlangt und Stefan Wolitz fordert dazu musikalischen Gestaltungswillen und überwältigenden, feinsten Chorklang. La Banda war ein erstklassig besetztes Barockorchester und der denkbar beste Partner für diesen tollen Chor, mit glänzenden Fanfarentrompeten, interessantem Holz und glänzend agierenden Streichern. Zuzuhören war ein Hochgenuss! Mit langem Applaus und mit stehenden Ovationen wurden die jungen Sängerinnen und Sänger, La Banda, die Stimmbildner und Stefan Wolitz, der souveräne Dirigent und Chorleiter, gefeiert. Der Chorverband Bayerisch-Schwaben darf stolz auf dieses Ensemble sein.

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