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Konzertnachlese: Jesu, meine Freude

Jesu, meine Freude – das erste Konzert der Schwäbischen Chorakademie und dem Orchester La Banda unter der Leitung von Stefan Wolitz nach zwei Jahren coronabedingter Pause.

Eine in jeder Beziehung große Familie


Die Schwäbische Chorakademie und das Orchester La Banda sorgen mit Stücken von Johann Sebastian Bach und seinen Verwandten für Gänsehaut bei den Zuhörern in der voll besetzten Stadtpfarrkirche St. Martin. Sieben Werke aus der Feder von Mitgliedern der in jeder Beziehung großen Komponisten-Familie Bach präsentierten die 75 jungen Sängerinnen und Sänger der Schwäbischen Chorakademie zusammen mit dem Orchester La Banda in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche St. Martin. Die Leitung hatte Stefan Wolitz. Beginnend mit dem Vokalstück „Das ist meine Freude“ von Johann Ludwig Bach, einem entfernten Verwandten des bekannten Johann Sebastian Bach, überzeugte der Chor bereits bei den ersten Tönen. Virtuos meisterten die Musiker die anspruchsvollen Koloraturen dieses Chorsatzes. Johann Ludwig Bach war als Hofkantor, Pagenerzieher und Kapellmeister tätig und wurde „Meininger Bach“ genannt. In dieser Eigenschaft hat er vermutlich für die Meininger Hofkapelle die „Suite in G-Dur“ komponiert, die La Banda im Anschluss beschwingt zu Gehör brachte. „Sey nun wieder zufrieden meine Seele“ – schwermütig in den Harmonien, jedoch zuversichtlich im Text erklang ein Werk von Johann Bach, dem ersten Mitglied der Großfamilie, von dem Kompositionen erhalten sind und Großonkel von Johann Sebastian. Gekonnt setzte die Schwäbische Chorakademie, aufgeteilt in zwei vierstimmige Chöre, das reizvolle Wechselspiel dieser Motette um. „Halt, was du hast“ von Johann Michael Bach präsentierten fünf Solisten und zwei Solistinnen als kleines Ensemble und sorgten mit ihren eindrucksvollen Stimmen für Gänsehaut bei den Zuhörern. Johann Bernhard Bach, der als Nachfolger von Georg Philipp Telemann als Kapellmeister in Eisenach tätig war, komponierte für den Hof auch Orchestermusik, so auch die „Suite in D-Dur“. Diese intonierte das der historischen Aufführungspraxis verpflichtete Instrumentalensemble La Banda wiederum eindrucksvoll. Mitreißend interpretierten die Musiker die schwungvollen Rhythmen und Melodien der dreiteiligen Suite. Den fulminanten Abschluss bildete eines der berühmtesten Vokalstücke aus der Feder von Johann Sebastian Bach: die Motette „Jesu, meine Freude“. Chor und Orchester steigerten von Strophe zu Strophe die Intensität ihres Vortrages, bis den Zuhörern buchstäblich der Atem stockte. Dem künstlerischen Leiter Stefan Wolitz gelang es, das Publikum von Anfang an in die musikalische Epoche der Familie Bach zu entführen und dabei den Alltag vergessen zu lassen. Dafür gab es tosenden Applaus im Stehen.

(Beate Güthner in der Allgäuer Zeitung vom 22.09.2021)


Konzert: 19.09.2021 | 16:30 Uhr | Kaufbeuren, St. Martin


 

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