Mit ihrem Konzertprogramm „Dream!“ begeisterte die Schwäbische Chorakademie unter der Leitung von Stefan Wolitz das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche St. Johannes Baptist in Oberstdorf. Rund 70 junge Sängerinnen und Sänger im Alter von 15 bis 27 Jahren präsentierten ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm, das musikalische Qualität mit jugendlicher Frische und spürbarer Freude am gemeinsamen Singen verband.
Besonders beeindruckend war der homogene und ausgewogene Chorklang. Die Stimmen fügten sich zu einem geschlossenen Gesamtklang zusammen, der zugleich frisch, differenziert und ausdrucksstark war. Feinste leise Passagen konnten geradezu schweben, während kraftvolle Stellen mit großer Klangfülle und dennoch klarer Kontur erklangen.
Das Motto „Dream!“ wurde musikalisch überzeugend umgesetzt. Werke aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Stilrichtungen verbanden sich zu einem spannenden musikalischen Bogen. Romantische und zeitgenössische Chormusik, geistliche und weltliche Werke sowie meditative und kraftvolle Momente führten das Publikum auf eine intensive Reise mit unterschiedlichen Vorstellungen von Träumen, Hoffen und Sehnen.
Eine besondere Verbindung zum Veranstaltungsort entstand durch die Einbeziehung von Texten der Schriftstellerin Gertrud von le Fort, die ihre letzte Ruhestätte in Oberstdorf gefunden hat und deren 150igster Geburtstag den Markt Oberstdorf zu dieser berührenden musikalischen Würdigung inspiriert hatte. Ihr Gedicht „Tröstet die Finsternis“, von Erna Woll in einer Motette vertont, verlieh dem Konzert einen besonderen lokalen und inhaltlichen Bezug. Ergänzende Gedichte und Texte aus verschiedenen Jahrhunderten wurden pointiert und sicher vorgetragen und bereicherten die musikalische Dramaturgie auf eindrucksvolle Weise.
Mit Werken unter anderem von Johannes Brahms, Heinrich von Herzogenberg, Ko Matsushita und Eric Whitacre zeigte die Schwäbische Chorakademie ihre große stilistische Bandbreite. Insbesondere die zeitgenössische Chormusik bot Gelegenheit, die klanglichen Möglichkeiten des Ensembles zu zeigen: feine Klangschattierungen, schwebende Harmonien und rhythmische Präzision machten die Interpretationen unmittelbar und lebendig.
Was das Konzert jedoch besonders auszeichnete, war die Verbindung von hohem musikalischem Anspruch und jugendlicher Unmittelbarkeit. Die jungen Sängerinnen und Sänger musizierten mit großer Natürlichkeit und erkennbarer Freude. Diese Begeisterung sprang unmittelbar auf das Publikum über und machte das Konzert zu einem besonderen Erlebnis.
Der lang anhaltende und begeisterte Applaus am Ende des Konzerts bestätigte eindrucksvoll die Wirkung des Auftritts. Die Schwäbische Chorakademie zeigte in Oberstdorf, welches außergewöhnliche musikalische Potenzial in dieser jungen Chorgemeinschaft steckt.
Mit „Dream!“ präsentierten Stefan Wolitz und die Schwäbische Chorakademie ein sorgfältig konzipiertes, vielseitiges und musikalisch überzeugendes Konzert. Es war unmittelbar zu spüren, dass hier junge Menschen mit großer Begeisterung auf höchstem musikalischen Niveau gemeinsam singen und dabei erfahren, welche Kraft, Gemeinschaft und Ausdrucksmöglichkeiten in der Chormusik liegen. Genau diese Freude machte den Konzertnachmittag in Oberstdorf zu einem nachhaltigen Erlebnis.